Therapie der HIV-Infektion
Wann und wie mit der Kombinationstherapie beginnen?
Die optimalen Bedingungen für den Beginn einer Therapie bestehen, wenn der Patient bereits über seine HIV-Infektion informiert ist und er sich in qualifizierter Behandlung befindet.
Da die HIV-Therapie nie eine "Notfall-Behandlung" ist, kann so der beste Zeitpunkt des Beginns und die Art der Therapie geplant werden. Weiterhin kann so am besten auf die individuelle Situation eingegangen werden (welche Medikamente, wie oft am Tag einzunehmen, Begleiterkrankungen usw.)
Der Patient kann sich auf die Therapie vorbereiten (Prinzip der Behandlung, Ziele der Behandlung, warum ist die Compliance so wichtig, usw.), kann sich ausführlich informieren und bereits vor der Therapie seine berechtigten Ängste (Nebenwirkungen, wie mache ich das im Berufsleben, was ist mit Urlaub usw.) ansprechen.
Ganz klar: Der Beginn einer Therapie stellt einen gravierenden Einschnitt in das zukünftige Leben dar. Er muss gut überlegt sein, es muss (so weit man das beurteilen kann) der richtige Zeitpunkt sein und ... der Patient muss die Therapie "wollen", d.h. von seiner Sinnhaftigkeit überzeugt sein.
Um den Patient bei der Vorbereitung zu unterstützen, ist es in vielen Fällen sicher sinnvoll, zusätzlich nicht-ärztliche Hilfen (z.B. AIDS-Hilfen, Psychologen, Partner) mit einzubeziehen. Auch halten wir es auch für völlig in Ordnung, wenn der Patient (bei einer so wichtigen Entscheidung) eine zweite oder dritte ärztliche Meinung einholt. Dies alles ist sehr wichtig, da wir heute zu einem Zeitpunkt mit der Therapie beginnen, in der der Patient in der Regel keine Beschwerden hat und ist sich wohl fühlt.
Und jetzt das Medizinische:
Labor:
Wir beginnen die Therapie in einer Phase der Erkrankung, in der der Patient keine Beschwerden hat, wir aber an den Laborwerten sehen, dass er demnächst erkranken kann (was wir verhindern wollen). Diese Situation besteht, wenn die Anzahl der Helferzellen auf 250 - 300 abgefallen ist. Allerdings ist auch hier der individuelle Verlauf sehr wichtig. Es gibt Patienten, die eine sehr schnellen Abfall der Helferzellen zeigen (alle 2-3 Monate 100 - 200 weniger) - hier beginnt man eher früher. Es gibt auch Patienten die über lange Zeit relativ stabil (z.B. 250 - 300 Helferzellen) bleiben; hier kann man noch abwarten. Man sollte den Beginn der Therapie aber nicht an einer Zahl festmachen, sondern am individuellen Verlauf. Klar ist allerdings: Wenn die Anzahl der Helferzellen unter 200 abgefallen ist, sollte unbedingt begonnen werden.
Beschwerden:
Unabhängig von den o.g. Laborwerten sollte eine Therapie begonnen werden, wenn der Patient an HIV-typischen Symptomen leidet. Dies kann in einzelnen Fällen auch oberhalb der o.g. Anzahl von Helferzellen vorkommen. Hierbei müssen aber andere Ursachen für die Beschwerden vorher ausgeschlossen werden.