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InformationenPsychosoziale Begleitung von HIV-Patienten im Infektiologikum FrankfurtDie HIV-Infektion hat in den letzten 10 Jahren einen Prozess der „Normalisierung“ erlebt und dadurch eine anderes Gesicht bekommen. Vor der Einführung der Kombinationstherapien in Form der „Pillencocktails“ bedeutete die Diagnose „HIV positiv“ den mehr oder weniger baldigen und gewissen Tod durch AIDS, verbunden mit fortschreitender Krankheit und Siechtum. Die sogenannte „Hochaktive Antiretrovirale Kombinationstherapie (HAART)“ hat aus HIV und AIDS eine für die Mehrzahl der erkrankten Menschen erfolgreich behandelbare, wenn auch nicht heilbare Krankheit gemacht, in gewisser Weise ähnlich der Erkrankung an Diabetes. Dadurch ist die durchschnittliche Lebenserwartung von Menschen mit HIV im letzten Jahrzehnt so sehr angestiegen, dass wir unseren jungen Patienten bereits heute sagen können, dass sie mit hoher Wahrscheinlichkeit das Rentenalter und weitere Jahre darüber hinaus erleben werden. Trotz dieser in der Medizin vergleichsweise außergewöhnlichen Erfolgsgeschichte mussten die Ärztinnen und Ärzte in den HIV-Schwerpunktpraxen bald nach Einführung der Kombinationstherapien die Erfahrung machen, dass die betroffenen Patientinnen und Patienten zu einem erheblichen Anteil an psychischen Konflikten, Angststörungen und Depressionen litten. Die bedrohlichen Bilder des „alten AIDS“ sind bis heute nicht aus den Köpfen verschwunden, wovon vielfältige mit der Diagnose „HIV positiv“ verbundene Probleme im zwischenmenschlichen, beruflichen und sozialen Bereich zeugen. Bei manchen Betroffenen zeigen sich Widerstände gegen den Beginn einer dringend angezeigten HAART; anderen gelingt es nicht, die für den dauerhaften Therapieerfolg notwendigen Grad der „Adhärenz“ (regelmäßige Einnahme von mindestens 95 % der verordneten Medikamente) zu erreichen; bei wieder anderen drängen erst im Laufe einer längeren erfolgreichen Therapie Ängste und Konflikte wieder in den Vordergrund, wenn sich die an den Kombinationsmedikamenten festgemachten Rettungsversprechen in der Fantasie oder Realität (z.B. Resistenzentwicklung) abschwächen. Hinzu kommen die Langzeitnebenwirkungen vieler in den ersten Jahren der HAART-Ära eingesetzten Medikamente, insbesondere die Fettumverteilungsstörungen mit ihren oft entstellenden Veränderungen des Aussehens. Die Ärztinnen und Ärzte des „Infektiologikum Frankfurt“ mussten schon sehr bald feststellen, dass viele ihrer Patienten professionelle Hilfe benötigten, diese aber oft nicht oder nicht unmittelbar bekommen konnten, entweder, weil die psychotherapeutischen Praxen sehr lange Wartezeiten hatten, oder weil sie selbst seelische Widerstände gegen eine Psychotherapie hatten, oder weil sie den Weg zu den Beratungsangeboten der AIDS-Hilfe aus Angst vor einem möglichen oder phantasierten Outing beim Betreten dieser Einrichtung nicht fanden. In Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Martin Dannecker (Abteilung für Sexualwissenschaft an der Uniklinik Frankfurt) und der AIDS-Hilfe Frankfurt wurde deshalb im Oktober 2001 gemeinsam mit den Schwerpunktärzten ein Modellprojekt „Psychosoziale Begleitung von Patienten in zwei Frankfurter HIV-Schwerpunktpraxen“ begonnen, das über mehrere Jahre ein „niedrigschwelliges“ Angebot der psychosozialen Beratung für Patientinnen und Patienten der beiden Praxen ermöglichte. Die Überweisung erfolgte durch die behandelnden Ärzte, wenn diese im Gespräch mit den Patientinnen und Patienten eine über das ärztliche Gespräch hinausgehende psychotherapeutische Begleitung für angezeigt halten. Dabei zeigte sich, dass in der Mehrzahl der Patienten 1-2 Beratungstermine ausreichten, um die dringendsten Probleme zu bearbeiten und dann auch zu klären, ob und wie eine längerfristige psychotherapeutische Behandlung oder eine anderweitige Form der Unterstützung (z.B. Angebote der AIDS-Hilfe) ermöglicht werden könnte. Der Erfolg des Projekts und dessen hohe Akzeptanz von allen Seiten führten dazu, dass wir nach Beendigung der Projektlaufzeit nach einer Möglichkeit suchten, dieses Projekt weiterzuführen. Im Februar 2007 wurde zwischen den beiden im Infektiologikum Frankfurt zusammengeschlossenen Praxen und der AIDS-Hilfe Frankfurt eine weitere Zusammenarbeit in diesem Modellprojekt der „psychosozialen Vor-Ort-Beratung in den Schwerpunktpraxen“ vereinbart, das ein Beratungsangebot durch eine psychosoziale Fachkraft an zweimal 4 Stunden pro Woche (jeweils 50 Minuten pro Sitzung) ermöglicht. Die Vermittlung zur Beratung erfolgt durch die behandelnden Ärzte. Die Beratung ist für die Patienten unentgeltlich, die Kosten werden von den Kooperationspartnern gemeinsam getragen. Deswegen müssen Patienten eine Erklärung über eine Ausfallsentschädigung von 20€ unterschreiben, die im Falle des nicht entschuldigten Fernbleibens entrichtet werden müssen. Zur Zeit findet aus Raumgründen die von Frau Imke Klein durchgeführte Beratungstätigkeit für beide Praxen ausschließlich am Standort Friedensstraße statt. Eine kontinuierliche inhaltliche Begleitung ist Bestandteil des Projektes. So wird eine Überprüfbarkeit der von den Beteiligten erhofften Ziele ermöglicht. |
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